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Digital Humans – Die Kommunikation der Zukunft?

    Tobias Dümpelfeld • 28. November 2023
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Wir leben in faszinierenden Zeiten! Techfirmen faken Mondfotos, AI kreiert „eigenständig“ Kunst und Musik. Man weiß manchmal gar nicht mehr, wie diese „Realität“ eigentlich aussieht. Ist das Video jetzt echt oder doch ein Fake? Schreibe ich gerade mit einem Menschen, oder ist es doch ein Chatbot?

Alles ganz schön verwirrend, gleichzeitig, aber auch total faszinierend, vor allem für mein kleines Technik-Nerd-Herz. Und was mich aktuell wirklich fasziniert, ist eine Entwicklung, die man am ehesten unter dem Überbegriff „Digital Humans/Digital Communication“ zusammenfassen kann.

Was sind Digital Humans?

Digital Humans sind realistische, computererzeugte Darstellungen von Menschen oder menschlichen Eigenschaften, wie zum Beispiel Mimik, Gestik oder die Stimme. Man könnte sie auch ganz klassisch als Avatare bezeichnen. Mit aktuellen Technologien wie dem „Meta Human Creator“ der Unreal Engine ist es eine Sache von nur wenigen Minuten, ein realistisches 3D-Modell einer Person zu erstellen und für spätere Anwendungsfälle zum Beispiel Aussehen, Mimik oder Gestik zu verändern.

Wo werden Digital Humans eingesetzt und welche Technologien gibt es?

Anwendungsgebiete von Digital Humans

Digital Humans kommen in unterschiedlichen Bereichen zum Einsatz:
  • Spieleindustrie
  • Film- / Werbeindustrie
  • Chatbots

Diese Technologien nutzen Digital Humans

Apple Vision Pro

Die Vision Pro von Apple ist eine VR-Brille, welche unter anderem die Funktion bietet, sich in wenigen Schritten seinen eigenen, realistischen Avatar für Onlinemeetings zu erstellen. Dazu scannt man mit den Kameras der Brille, bzw. einem iPhone, sein eigenes Gesicht und die Brille errechnet daraus ein 3D-Modell. Mithilfe von Facetracking Kameras auf der Innenseite der Brille wird dann die eigene Mimik auf das 3D-Modell übertragen und ermöglicht somit die nonverbale Kommunikation im virtuellen Raum.

METAHUMAN von Unreal Engine 5

Ähnlich, und meiner Meinung nach noch besser, funktioniert das Verfahren mit dem METAHUMAN Creator von Unreal Engine 5.
Hier wird, wie bei der Apple Vision Pro ein 3D Modell einer realen Person erstellt (ebenfalls mit einem iPhone möglich), auf das später Mimik übertragen werden kann. Der Workflow hierbei ist um einiges schneller und präziser, was nicht weiter verwunderlich ist, da das Programm auf High End Computern laufen kann, die über entsprechende Rechenpower verfügen. Außerdem ist der spätere Verwendungszweck der digitalen Modelle hauptsächlich für Animationen in Videospielen, bzw. im Filmbereich gedacht.

Google Project Starline

Hierbei handelt es sich um eine etwas andere Technologie, da das Konzept hinter diesem Projekt ein anderes ist.
Es dreht sich hierbei ausschließlich um die direkte, digitale Kommunikation zwischen zwei Personen (eine größere Gruppe wird technisch wohl schwierig).
Die Idee dahinter ist, dass man oft im persönlichen Kontakt miteinander Dinge besser besprechen kann und sich das über aktuelle Plattformen wie Zoom, Skype, Microsoft Teams, Discord, etc. oft schwierig darstellt. Fehlende Immersion, oder schlecht übertragene Mimik und Gestik führen oft zu Missverständnissen und unangenehmen Momenten in Gesprächen, oder man bekommt seine Message nicht so eindrücklich rüber, wie es in einem Gespräch von Angesicht zu Angesicht vielleicht möglich wäre. Hier setzt das Konzept von „Project Starline“ an.
Über eine Reihe von Kameras, welche in unterschiedlichen Winkeln positioniert sind, wird eine räumliche Aufnahme der Gesprächspartner erschaffen, also auch wieder ein 3D-Modell generiert, welches dann je nach Betrachtungswinkel des Gegenparts entsprechend angepasst auf dessen Display angezeigt wird und somit die Illusion von Räumlichkeit geschaffen wird. Vielleicht beschreibt das Wort „Hologramm“ am ehesten den Effekt der Darstellung.

Chatbots

Chatbots sind mittlerweile zwar schon ein alter Hut, Digital Humans, die als virtueller Ansprechpartner fungieren hingegen sind noch gar nicht so alt. Ob als generelles Informationstool, oder als speziell zugeschnittene „Persönlichkeit“ in der ersten Instanz der Kundenbetreuung eines Unternehmens – Chatbots mit Gesicht wirken zumindest auf den ersten Blick vertrauter als ein Chatfenster, in dem einfach nur Text erscheint – man fühlt sich eher „verstanden“.
Hier zwei Beispiele:

Wie kann man Digital Humans für das eigene Business nutzen?

Digital Humans kann man vor allem als Möglichkeit nutzen, um mit seinen Kunden in Kontakt zu treten. Zum Beispiel in Form eines Digital Assistent (Chatbot), welcher als erster Ansprechpartner für den Kunden agiert. Aber auch die Kommunikation im digitalen Raum per VR/AR Chat bietet ein hohes Potenzial an kreativen Möglichkeiten für den Einsatz von Digital Humans.
Ein sehr anschauliches und wie ich finde, gut umgesetztes Beispiel dafür, wie man einen Digital Human auch effektiv für Werbung, bzw. das Image eines Unternehmens nutzen kann ist „Miquela“.

 

 

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Hier der Instagram Account und der YouTube Channel von Miquela.

 

Darüber hinaus kann man Digital Humans im Bildungs- bzw. Gesundheitssektor nutzen, um Lernenden einen Tutor bzw. Trainer zur Verfügung zu stellen. Hier ein Blogbeitrag zum Thema.

Welche Risiken birgt die Verwendung von Digital Humans?

Wie auch bei anderen, neuen Technologien, bzw. Trends, sollte man auch hier jugendgefährdende Aspekte berücksichtigen. Zum Beispiel gibt es mittlerweile eine ganze Reihe von Apps, die einen virtuellen Freund auf dem Handybildschirm zur Verfügung stellen, der dann per AR auf dem Bett, dem Schreibtisch, oder der Kommode in die reale Welt integriert wird und einem Fragen beantwortet, oder sich nach dem täglichen Wohlbefinden erkundigt. Hier eine kleine Auswahl an Apps.

 

Ein weiteres, nicht zu unterschätzendes Risiko könnte in Zukunft Videomaterial darstellen, welches mit verhältnismäßig geringem Aufwand erstellt werden kann und eine reale Person entweder darstellt, oder diese so weit verändert, dass man nicht mehr erkennen kann, ob es sich um ein Fake handelt oder nicht. Ein aktuelles Beispiel dafür findet ihr auf dem LinkedIn Profil unseres Geschäftsführers Dennis Mittelmann.

Aber auch in der Vergangenheit haben bearbeitete Videos bereits international für Aufregung gesorgt. Wer erinnert sich noch an den Stinkefinger von Yanis Varoufakis? Da kann man sich doch ganz gut vorstellen, dass es in Zukunft immer einfacher wird, mit der Darstellung von Personen Schindluder zu treiben.

 

Wenn ihr noch mehr über das Thema KI-Tools und deren Nutzung erfahren wollt, dann empfehle ich euch diesen Trendbeitrag. Hier hat mein Kollege Roman Lang einmal aufgezeigt, was mit KI-Tools für Designer alles möglich ist und worauf man bei der Nutzung achten sollte.

Fazit – Werden Digital Humans die zwischenmenschliche Interaktion auf lange Sicht verändern?

So viel ist sicher: Wir werden in den nächsten Jahren einige Neuerungen in diesem Bereich erleben, die noch konkretere und ausgereiftere Möglichkeiten für eine neue Art der Kommunikation bieten werden.

Ob sich unsere Kommunikation dadurch maßgeblich verändern wird, ist denke ich eine Frage der Funktionalität und des Mehrwerts dieser Technologien. Apple hat natürlich ein Händchen dafür neue Technologien massentauglich zu machen, ob das allerdings reicht, wird sich zeigen. Das Telefon, das Internet und letztlich das Smartphone haben einen großen Einfluss auf unsere Art der Kommunikation gehabt. Warum also nicht auch Digital Humans?

tvtdu

Tobias Dümpelfeld

Musiker, Künstler, Mediengestalter, Teil des Grafikteams. Ein bisschen verrückt sein schadet nie!